Leseproben

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Nach­dem es an der Büro­tür geklin­gelt hat­te, ging ich hin und war­te­te an der geöff­ne­ten Tür zum Flur.

Wenig spä­ter kam eine Frau mit rot­blon­dem Haar aus dem Auf­zug.

Sie war nicht allein: Zwei dun­kel­häu­ti­ge Män­ner folg­ten ihr.

Einer von ihnen trug eine Art lan­gen, dunk­len Rock. So etwas war mir im ech­ten Leben noch nie begeg­net. Alle drei wirk­ten, als sei­en sie Ende zwan­zig. Ich sah sie ver­dat­tert an, und sie erwi­der­ten mei­nen Blick.

Mein ers­ter Instinkt sag­te mir, dass die­se selt­sa­me Grup­pe zu der ande­ren Woh­nung auf der Eta­ge woll­te.

Dort haus­te eine Stu­­den­­ten-WG. Die drei pass­ten gut zur „Kom­mu­ne 1“. Doch ich hat­te mich getäuscht. Direkt und ohne zu zögern steu­er­ten sie mich an und blie­ben vor mir ste­hen.

    Die Frau über­nahm das Wort. »Guten Tag«“, sag­te sie zu mir und kam ohne wei­te­re Umschwei­fe zur Sache: Ihre bei­den Beglei­ter sei­en auf der ver­zwei­fel­ten Suche nach deut­schen Ehe­frau­en. Nur durch eine Hei­rat, so mach­te sie klar, könn­ten sie ihrer Abschie­bung ent­ge­hen.

    Die Män­ner selbst schie­nen kaum Deutsch zu ver­ste­hen und zu spre­chen. Ihr gesam­ter Bei­trag beschränk­te sich auf einen ein­zi­gen, immer wie­der vor­ge­brach­ten Satz, den sie mit kräf­ti­gem Nicken unter­stri­chen: »Deutsch Frau good.«

Dem konn­te ich im Stil­len nur zustim­men, obwohl mei­ne Dana, mei­ne gebür­ti­ge Ita­lie­ne­rin, auch nicht schlecht war. Deut­sche Frau­en hat­ten offen­bar Vor­zü­ge, die ich nicht benö­tig­te.

Ich rede­te wenig, die Frau hin­ge­gen umso mehr. Es war  ein Ver­kaufs­ge­spräch – aller­dings ihres.

Das Gespräch im Flur zu füh­ren, gefiel mir nicht. Eigent­lich gefiel mir nichts an die­ser Situa­ti­on. 

Ich woll­te die drei nur los­wer­den, und zwar schnell, ohne sie vor den Kopf zu sto­ßen.

Die Frau schien mein Des­in­ter­es­se zu spü­ren, denn ohne mein Zutun sprach sie das The­ma Kos­ten an. 

    »Ich über­neh­me die Ver­mitt­lungs­kos­ten«, sag­te sie plötz­lich und klang dabei äußerst glaub­wür­dig.

Den­noch war ihr Ange­bot kein Tür­öff­ner. 

Selbst wenn sie mit einem Bün­del Hun­­der­­ter- oder Tau­sen­der­schei­ne gewe­delt hät­te, wäre eine sol­che Ver­mitt­lung für mich nicht infra­ge gekom­men. Obwohl: Man soll nie ‚nie‘ sagen. Aber woher hät­ten wir die Frau­en dafür neh­men sol­len? Viel­leicht hät­te mein Vater eine Lösung gehabt.

Ich frag­te mich, war­um die Frau sich so für die bei­den ein­setz­te. Immer­hin – einen hät­te sie ja selbst hei­ra­ten kön­nen. 

    Nach­dem ich zu der Frau höf­lich gesagt hat­te: »So etwas machen wir nicht«, schüt­tel­te sie den Kopf und dreh­te sich um.

Ich war erleich­tert, als sie sich ohne zu dis­ku­tie­ren zurück­ge­zo­gen. Doch auf hal­bem Weg zum Auf­zug blieb einer der Män­ner kurz ste­hen, wand­te sich zu mir und sah mich an.

    »Ich fick’ dei­ne Mut­ter!«, rief er mehr­fach.

Ich ging aller­dings nicht davon aus, dass er sie per­sön­lich kann­te. Ich igno­rier­te die Pro­vo­ka­ti­on, betrat die Die­le, schloss die Tür hin­ter mir und schüt­tel­te nun sei­ner­seits den Kopf.

Ich war froh, dass ich mir mei­ne Part­ne­rin­nen ohne Hin­ter­ge­dan­ken aus­su­chen konn­te.

Bereits zwei­mal war ich am Tele­fon mit ähn­li­chen „Kauf­ge­su­chen“ kon­fron­tiert wor­den. Aller­dings frag­ten die Män­ner. Auch die­se Anfra­gen hat­te ich sofort abge­lehnt, ohne nach der Her­kunft zu fra­gen.

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Besu­cher
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